der erste marathon – ein erfahrungsbericht

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

das wars – mein erster marathon ist vorbei! obwohl ich es geschafft habe, klingt es immer noch verrückt 42.2 km zu laufen beziehungsweise gelaufen zu sein und ich habe tausend dinge, die ich gerne mit euch teilen möchte. in den letzten tagen habe ich versucht meine gedanken zu ordnen und obwohl es nur der erste von mehreren posts sein wird, macht euch auf einen langen beitrag gefasst, denn 42 km lassen sich nun mal nicht abkürzen.

die allerletzten vorbereitungen

nachdem ich den samstag mit entspannen sowie essen (beides gut) und etwas shoppen (sollte man eigentlich nicht) verbracht habe, vereinbarte ich mit meinem bruder aka meiner rennbetreuung, wo und wann er mit wasserflaschen auf micht warten sollte. anschließend ging ich für meine verhältnisse früh um kurz nach 23 uhr schlafen, wobei sich die nervosität leider auf meinen schlaf ausgewirkt hat und ich jede stunde aufgewacht bin. trotzdem war ich, als ich endlich aufstehen “durfte”, hellwach.

nach dem frühstück beschäftigte ich mich zum tausendsten mal mit der kleiderfrage, denn entgegen der wettervorhersage scheinte die sonne. letztendlich fiel die wahl auf zwei weiße tank-tops übereinander, eine 3/4-hose und handschuhe. genau die richtige entscheidung wie sich später herausstellte, obwohl ich zunächst von anderen läufern mit langen shirts und hosen belächelt wurde. außerdem schrieb ich mir meine meine zielzeiten für jeden fünften kilometer auf die hand – blöd nur, dass man sie unter die handschuhen nicht sehen konnte – was mir aber erst im startbereich auffiel…

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

gleich geht’s los

meine mama und ich trafen uns eine stunde vor dem start in der ubahn um gemeinsam zum start zu fahren, mussten uns aber vor ort bald trennen, da wir in verschiedene startblöcke eingeteilt waren. nachdem ich eine gute position für mich gefunden hatte, begann ich noch mit einer amerikanerin zu plaudern, die zwar schon ein paar marathons hinter sich hatte, aber das erste mal in wien mitlief. eine gute möglichkeit seine nerven zu beruhigen 😉

nach einiger wartezeit – ich hatte nämlich gar nicht daran gedacht, dass die startblöcke hintereinander loslaufen würden – ging es dann endlich los. zu beginn versuchte ich vor allem, trotz der läufermassen mein tempo halbwegs zu halten, was mir alles in allem auch gut gelang.

laufen, laufen, laufen

wer angst hat, dass ihm beim marathon laufen langweilig werden könnte, den kann ich beruhigen; man muss sich die ganze zeit konzentrieren – auf seine strecke, andere läufer, seine geschwindigkeit, die nächste trinkstation, gels nehmen … – und kommt nicht mal auf die idee sich zu langweilen. zwei kleine, nicht so erfreuliche beispiele: zum einen sah ich zwei läufer an unterschiedlichen stellen ziemlich heftig über schienen stürzen, zum anderen mussten wir für etwa sechs querende feuerwehrautos stoppen…

alles in allem waren die ersten 21 km genial. so wie mein lauftrainer gesagt hat, man darf nichts spüren und wirklich war ich nach der ersten hälfte fit wie ein turnschuh. außerdem sah ich zu diesem zeitpunkt das erste mal bekannte gesichter: zwei studienkollegen (von denen eine selbst an der staffel teilnahm) feuerten mich an 🙂

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

es wird härter

sieben kilometer später wartet dann mein bruder mit einer wasserflasche auf mich und ich konnte zum ersten mal stressfrei trinken. perfekt eingeteilt, denn ab kilometer 30 begann langsam der harte teil des marathons. der immer stärker werdende, teils böige wind wurde anstrengend und es begannen abwechselnd einzelne körperteile weh zu tun. außerdem war es nicht sehr beruhigend einen kollabierten läufer am boden zu sehen…

bei km 35 war ich froh endlich das letzte gel geschluckt zu haben, denn langsam wurde mir von dem vielen süßen zeug schlecht. für alle die es noch nie probiert habe; gel ist geschmacklich in etwa flüssiger zucker. aufgrund vieler vorwarnungen, wartete ich schon auf den berühmt berüchtigten “mann mit dem hammer”, aber obwohl die beine schwerer wurden, wollte ich nicht glauben, dass es das gewesen war – denn noch war der kampf nicht allzu hart.

mein erster marathon │ nurmalkosten.com
sogar bei km 41 konnte ich noch lachen

der letzte kampf

kurz vor km 38 wartete nochmal mein bruder und obwohl es für mich ein super boost war ihn zu sehen und auch ordentlich trinken zu könne, sorgte dieses treffen leider dafür, dass er mich nicht ins ziel einlaufen sah… nachdem für mich dort die schwersten kilometer begannen, bin ich trotzdem froh es so vereinbart zu haben.
um mein tempo halbwegs weiter halten zu können, stellte ich mir meinen lauftrainer vor, der mir eigentlich zu einem etwas niedrigeren pace geraten hatte und mir bei einem einbruch geistig “ich habs dir gesagt” vorwarf – wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass er das im wahren leben nie getan hätte. der trick hat aber geholfen 😉

der ringstraßenteil, also die letzen 2,5 km, waren mental und körperlich am anstrengendsten. es ging leicht bergauf, der gegenwind war stark und die energie wurde weniger. trotzdem ging es irgendwie weiter. zwischen kilometer 40 und 41 sah ich noch wie mich meine großeltern anfeuern und einen halben kilometer jemanden aus meiner laufgruppe, der es bereits hinter sich hatte. diese begegnungen und die aussicht endlich sitzen zu können, ermöglichten es sogar noch die letzten paar hundert meter zu sprinten.

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

es ist vollbracht

kaum im ziel angekommen schossen mir die ersten freudentränen meines lebens in die augen und ich musste mich sehr zusammenreißen, um nur zu schluchzen. ich kann gar nicht genau sagen warum – die abfallende anspannung, die belohnung für das monatelange training oder einfach nur die unwirklichkeit gerade 42 kilometer zurückgelegt zu haben…

im zielauslauf sammelte ich meine medaille und ein goodiesackerl ein und  machte mich auf den weg meine familie zu suchen. nachdem ein paar siegerfotos gemacht wurden, feierten wir den erfolg meiner mama (die wieder einen halbmarathon hinter sich brachte) und mir mit sekt. diesen hatte ich nämlich vorsorglich meinem tollen rennbetreuer im startersackerl mitgegeben. dann schickte ich alle zum essen vor, denn ich wollte unbedingt noch die möglichkeit der gratis massage vor ort nutzen. ich kann euch nur empfehlen, das auch zu machen, weil danach konnte ich zumindest halbwegs normal gehen (mal abgesehen von stiegen und stufen jeder art).

mein erster marathon │ nurmalkosten.com
meine rennbetreuung versorgte mich während & nach des rennens mit getränken

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

feiern, essen und genießen

nach einer schnellen dusche kam ich zum pizza essen und wiederholtem anstoßen nach. überraschenderweise war der hunger nicht groß, aber wer kann bei pizza schon nein sagen 😉 auch danach hatte ich nicht viel pause, denn nach einem kurzen zwischenstopp zuhause, in dem ich schon ein paar marathongedanken aufschreiben musste, ging es schon wieder mit meiner lauftrainingsgruppe essen um – richtig geraten – die erfolgreichen läufe zu feiern.

als ich endlich endgültig zuhause ankam, versuchte ich noch ein bisschen zu dehnen, viel aber nach kurzer zeit erledigt ins bett. das war er dann auch schon, der marathontag. und am nächsten tag hatte ich den schlimmsten muskelkater meines lebens…

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

fazit

es war weniger schlimm als gedacht – das heißt nicht, dass es nicht sehr anstrengend war und ich nicht kämpfen musste, sondern nur, dass ich es mir noch schwerer vorgestellt hätte. wie der spruch auf meinem leiberl sagte “es wechseln pein und lust. genieße wenn du kannst und leide wenn du musst.” habe ich einen großteil des laufes wirklich genießen können bis es schwer wurde. außerdem bin ich jetzt überzeugt davon, dass wirklich jeder, der gerne einmal einen marathon laufen möchte, es auch schaffen kann – es ist einfach eine sache des trainings. anstrengend ist es auch für die spitzensportler, es kommt wie so oft auf die geschwindigkeit an. allerdings sollte man in meinen augen das projekt marathon nur angehen wenn man wirklich gerne läuft, denn sonst verschwendet man einfach unglaublich viel lebenszeit, die man für andere dinge nutzen könnte.

eines hat sich für mich wieder bestätigt ich liebe laufen – auch nach über 40 kilometern, wenn mir alles weh tut. daher würde (und werde) ich es jederzeit wieder tun. sobald ich mich wieder normal fortbewegen kann 😉

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

mein erster marathon │ nurmalkosten.com

 

wanna share this?Share on FacebookPin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePrint this page

9 thoughts on “der erste marathon – ein erfahrungsbericht

  1. Liebe Franziska,
    wow tolle Leistung – gratuliere! Das ist bestimmt ein großer Meilenstein in deinem Leben und ich kann mir vorstellen, wie hart das Training und die Vorbereitung die letzten Wochen und Monate waren. Schön, dass dir das Laufen so viel bedeutet und du „deine“ Leidenschaft entdeckt hast 🙂 ! Sei stolz auf dich und genieß den Moment, dass du das so toll hinbekommen hast. Es wird dich sicher bei deinen nächsten Vorhaben und Projekten stärken!
    Liebe Grüße
    Lisa

    1. Liebe Lisa,

      vielen Dank für deinen super netten Kommentar!
      Ja, letztendlich hat sich definitiv alles ausgezahlt 🙂

      Herzliche Grüße
      Franziska

  2. Liebe Franziska,
    ich folge deinem Blog schon länger und angesichts dieser grandiosen Leistung – deutlich unter 4 Stunden bei der Premiere – gratuliere ich ganz herzlich!
    Dein Post spricht mir voll aus dem Herzen bzw. alles was du schreibst kann ich genau nachempfinden, denn im Februar habe ich meinen ersten Marathon gefinished – allerdings nicht in so einer super Zeit.
    Aber ich bin auch schon geschätzte zwanzig Jahre älter, und da pressiert es ja nicht mehr so! 🙂
    Und ich stimme Lisa zu: Lebe deinen Leidenschaft und genieß das Laufen weiterhin in vollen Zügen!
    Sportliche Grüße aus Niederbayern
    Hans

    1. Lieber Hans,

      vielen Dank und werde ich machen 🙂 Ich freue mich sehr, dass du schon länger mitlist!
      Schön, dass du meine Erfahrungen nachempfinden kannst und auch ganz herzliche Gratulation! Es ist doch auch eines der schönen Dinge am Laufen, dass man sich eigentlich nur mit sich selber messen kann, weil wir alle mit anderen Voraussetzungen starten 😉

      Liebe Grüße
      Franziska

  3. Gratuliere zur super Zeit!
    Bei uns hat es leider nicht mit der Wunschzeit geklappt. Stolz, Schmerzen und Erleichterung waren aber trotzdem groß 😉
    LG

    1. Dankeschön! Darauf kommt es letztendlich doch auch an, oder? Die Traumzeit ist nur noch die Draufgabe… Außerdem gibt es immer ein nächstes Mal 😉

      Herzliche Grüße
      Franziska

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.